
Mit der ersten Position der Ausstellungsreihe „Do you want it black or white?“ eröffnet die Stiftung für Konkrete Kunst Roland Phleps im Jahr 2026 ihr Programm mit der Münchner Künstlerin Julia Schewalie (*1988 in Krasilowka, Kasachstan). Unter dem Titel „The Matter of Shadows“ richtet die Schau den Blick auf ihre aktuellen malerischen und zeichnerischen Arbeiten, in denen das Zusammenspiel von Material, Farbe und Struktur im Quadrat seine konzentrierte Form findet.
Für die Freiburger Ausstellung hat Julia Schewalie neue Werkgruppen entwickelt, geprägt von handwerklicher Präzision und Experimentierfreude. In den großformatigen Serien „Oily Drops“ und „Oily Tiles“ (jeweils 220 × 300 cm) entfalten sich aus jeweils eigenen wiederholten Pinselbewegungen fein strukturierte Bildfelder, die das Schwarz in all seinen Nuancen zum Leuchten bringen. Dabei bestimmt ein vorab auf der Leinwand angelegtes Raster den Rhythmus der Farbe. Die Künstlerin greift auf eine Vielzahl unterschiedlicher Schwarztöne zurück und lässt so ein schimmerndes Mosaik kleinster Quadrate entstehen, das auf subtile Weise mit Licht und Reflexion spielt.

Die Serie „Squares on Paper“ führt Julia Schewalies Auseinandersetzung mit der Farbe Schwarz fort. 160 Arbeiten in Aquarell, Pastell, Kohle, Tusche und Öl auf verschiedenen Papieren (je 25,7 × 20,7 cm) erkunden die Spannweite von dichter Dunkelheit bis zu hell lasierten Grautönen. Diese Reihe verbindet frühere materialorientierte Phasen mit der Suche nach formaler Reduktion und Klarheit auf der Basis malerischer Techniken, die typisch für ihr aktuelles Schaffen sind.
Eine weitere Werkgruppe zeigt Arbeiten, die dem bekannten Œuvre der Künstlerin zugehören. Mit alltäglichen Materialien wie PVC, Vinylplatten, Kohlestücken, Teich- und Graphitfolien bis hin zu duftenden Seifenstücken lotet Julia Schewalie die Farbe Schwarz – selten auch Weiß – als Träger von Schatten und Licht aus. Je nach Werkstoff verändern sich Tiefe, Oberfläche und Glanz. Ob großformatig oder klein, gemalt, geschliffen oder verklebt– jedes Werk offenbart die stille Variation eines Themas: wie sich eine Farbe, die nur selten als solche wahrgenommen wird, als eine der vielfältigsten im Klang der Zwischentöne offenbart.

Julia Schewalie (*1988 in Krasilowka, Kasachstan) lebt und arbeitet in München. Sie kam 1996 im Rahmen der Spätsiedleraufnahme nach Deutschland und studierte an der Akademie der Bildenden Künste München bei Anke Doberauer und Hermann Pitz. Ihre Arbeiten wurden in Einzelpräsentationen unter anderem im Kunstverein Lemgo (2025) gezeigt. Gruppenausstellungen führten sie an das Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt (2022/23) und das Kunstmuseum Ahlen (2025). Bereits 2017 erwarben die Staatlichen Bayerischen Gemäldesammlungen eine erste von mehreren ihrer Arbeiten.